Hintergrund

PrimaKlima-Projekte - In Deutschland und weltweit

Besuch von Farmern in ausgewählten Aufforstungsgebieten in Nicaragua.

Höchste Qualitätsstandards, die nachweisbare Einbindung von CO2 und der enge Austausch mit Projektpartnern bilden das Fundament der Arbeit von PRIMAKLIMA. Sich vor Ort von der Umsetzung der Projekte zu überzeugen, ist daher ein wichtiger Kern der Arbeit des Vereins.

Dr. Henriette Lachenit, Geschäftsführerin von PRIMAKLIMA, reiste im Juni 2017 in die Pflanzstandorte Somoto und Limay in Nicaragua, um sich einen persönlichen, realistischen Eindruck von dem Projekt zu verschaffen.

Frau Dr. Henriette Lachenit im Gespräch mit Elsa Gonzales (Leiterin des Forstexperten-Teams) über die Beschaffenheit der Baumsetzlinge.

Fazit der Reise: Erfolgreiche Aufforstungen, einwandfreie Dokumentation und eine hohe Identifikation der beteiligten Farmer mit dem Projekt

Frau Dr. Lachenit besuchte auf ihrer Reise zahlreiche Flächen, die durch Spenden - wie von hassia - an PRIMAKLIMA aufgeforstet werden konnten. Sie nahm sich viel Zeit für die fachliche Begutachtung, aber auch für persönliche Gespräche mit den beteiligten Familien. Im offenen und herzlichen Austausch wurde ihr die Bedeutung der Aufforstungen für die Farmer immer wieder bestätigt.

Die zuverlässigen Projektzahlungen unterstützen die finanzielle Stabilität der Familien und machen sie unabhängiger von schlechten Ernten. Später können auch Erträge aus der Holznutzung erzielt werden – wobei nie mehr Holz entnommen wird als nachwächst und somit die natürliche Verjüngung der Wälder gefördert wird.

Insgesamt sind die Flächen in einem sehr guten Zustand; einige Bäume tragen bereits Samen. Wenn sich die Baumkronen zu einer geschlossenen Walddecke verdichten, entwickelt sich auf dem Boden bereits eine typische vielfältige Waldvegetation. Auf den Flächen, die vor einigen Jahren angepflanzt wurden, sind außerdem bereits verschiedenste Vogel- und Kleintierarten zu beobachten, die auf gerodeten Flächen nicht vorkommen.




Die Anpflanzung aus dem Jahr 2009 hat sich bereits in einen Wald verwandelt


Erste Samen von Bäumen aus Anpflanzung



Durch Waldflächen entsteht ein geschützter Lebensraum für Tiere


Das geschlossene Blätterdach der Bäume sorgt für ein richtiges Waldklima



Lagebesprechung mit Elsa Gonzales und Ihrem Team


Baumsetzlinge vor dem Einpflanzen


Frau Dr. Lachenit begutachtet das Baumwachstum


Mit Projektentwickler Kahlil Baker vor einem Mahagoni-Baum


Ein neuer Nistplatz für Vögel

Enger Austausch mit der Partnerorganisation in Nicaragua

Henriette Lachenit hat besonders die Begeisterung und das Engagement des Projekt-Teams beeindruckt. Die Mitarbeiter sind gut qualifiziert und geschult und nutzen jede Gelegenheit, um mit den Farmern Verbesserungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Ein besonderes Augenmerk wird auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis des Teams gelegt. Da es nur wenige nicaraguanische Frauen gibt, die neben der Familie noch arbeiten, ist dies immer wieder eine große Herausforderung.

Genau erklären ließ sich Henriette Lachenit auch die Software, mit der das Wachstum der Bäume kontrolliert und dokumentiert wird. Besonders praktisch: die Technik basiert auf einer App, die auf jedem Smartphone verwendet werden kann. Es benötigt zwar qualifiziertes, aber kein hochqualifiziertes Personal, da die Bedienung sehr intuitiv ist.  Die genauen Daten sowie Bilder von den Farmern und Aufnahmen von Einzelbäumen werden gesammelt und sind stets tagesaktuell auf einer Online-Plattform einsehbar.

Nachhaltige Forstwirtschaft - Waldnutzung statt Waldzerstörung

Im Gegensatz zu ungenutzten Wäldern bringen Ackerflächen und vor allem auch die Viehhaltung den Kleinbauern recht gute Erträge. Das macht die Landwirtschaft zu einem Haupttreiber der Entwaldung. Erst eine nachhaltige Forstwirtschaft macht die Erhaltung von Wald wieder attraktiver und kann die Funktionen, die Behandlung und Nutzung neuer Wälder sicherstellen.

Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet, dass die angelegten Wälder von PRIMAKLIMA durch eine zielorientierte Planung und Nutzung nicht zerstört werden. Dadurch ist die Aufforstung und Nutzung des Waldes auch kein Widerspruch.  Unterschiedlich schnell wachsende Baumarten werden gepflanzt und es wird immer nur ein kleiner Teil der Bäume durchforstet. Man entnimmt dem Wald nicht mehr Holzmasse, als gleichzeitig nachwächst. Natürliche Ressourcen wie Wasser, Boden und die Biodiversität bleiben erhalten.
 
Damit auch die Gewinne aus der Holzverarbeitung dem Projekt zugutekommen, wurde vor Ort eine Schreinerei aufgebaut. Dort entstehen Servierbrettchen, Schalen und Salatbestecke – jedes Teil ist ein handgefertigtes Unikat. Derzeit werden in der Schreinerei noch hauptsächlich Holzabfälle verarbeitet, da die meisten Flächen erst in ein paar Jahren durchforstet werden können. Für die meisten Einwohner Nicaraguas, dem zweitärmsten Land Lateinamerikas, sind diese Produkte absoluter Luxus, so dass das Projekt aktuell nach Vertriebspartnern im Ausland sucht.

Durch die gutgeplante Aufforstung, die gewissenhafte Teilnutzung der Hölzer und die lokale Verarbeitung entstehen somit nicht nur neue Wälder – sondern auch langfristige wirtschaftliche Perspektiven für die Menschen vor Ort.

Mit einem guten Partner von 5.000 Bäumen zu über 500.000 Bäumen pro Jahr.

Mit viel Leidenschaft kümmert sich das Team von Kahlil Baker (Co-Gründer) und Elvín Castellón (Co-Gründer der beteiligten nicaraguanischen gemeinnützigen Vereine APRODEIN und FEDICAMP) seit 2008 um die Aufforstungen. Die ambitionierte, aber durchaus realistische Vision der beiden ist, das Projekt auf den gesamten Bereich Nicaraguas auszudehnen, in dem die klimatischen und sozialen Bedingungen ähnlich denen der heutigen Projektregionen in Limay und Somoto sind. Auch ihre persönliche Zukunft verbinden Kahlil Baker und Elvín Castellón untrennbar mit dem Projekt und legen besonderen Wert auf die gemeinnützige Struktur der Organisation.

Kern des Konzepts war von Anfang an die direkte Einbeziehung der Kleinbauernfamilien. Unterbeanspruchte oder auch für die Landwirtschaft nicht mehr nutzbare Teile ihrer Grundstücke werden mit einheimischen Baumarten bepflanzt. Die Bäume absorbieren im Laufe ihres Wachstums CO2 aus der Atmosphäre und leisten jeden Tag einen essentiellen Beitrag gegen den Klimawandel. Gleichzeitig werden die Lebensbedingungen der Kleinbauern signifikant verbessert. Sie erhalten zunächst verlässliche Zahlungen für die Pflege der Bäume und profitieren später von der Vermarktung des Holzes.

Anfänglich konnten aus finanziellen Gründen jedoch nur ca. 5.000 Bäume pro Jahr gepflanzt werden. PRIMAKLIMA war 2009 die erste internationale Organisation, die fest an das Projekt glaubte und mit den in Deutschland gesammelten Spendengeldern ein solides Wachstum in Nicaragua ermöglichte. 
Seitdem unterstützt der Verein das Projekt Jahr für Jahr mit  Spendengeldern wie bspw. denen von hassia. Diese Unterstützung ermöglichte dem Projekt den Sprung von der Idee zum zertifizierten Projekt mit weltweiter Anerkennung. Mittlerweile wird das Projekt von einer Reihe anderer Geldgeber unterstützt und steht auf einem soliden finanziellen Fundament, so dass über 500.000 Bäume pro Jahr gepflanzt werden können.



Die Fassade des Projektbüros im Limay wurde von der Dorfgemeinschaft mit Bildern der Aufforstungsarbeiten bemalt.


Die neuesten Projektdaten werden in einer Teambesprechung diskutiert


Projektmitarbeiter Randolph Bayardo Castellón Betanco erklärt die App zur Dokumentation des Baumwachstums


Eingangsbereich des Büros in Limay


Viehhaltung ist einer der Haupttreiber der Entwaldung


Eingang zur Tischlerei


Ein Mitarbeiter bereitet das Holz zur Weiterverarbeitung vor


Das Holz wird vor der Verarbeitung mehrfach geölt


Hier entsteht der Prototyp für ein neues Holzprodukt



Edle Holzunikate aus der Schreinerei


Kahlil Baker (links) und Elvín Castellón (rechts) besuchen die Mitarbeiter, die die jungen Bäume vermessen und kontrollieren.


Projektleiter Kahlil Baker erklärt seinem Team die Mess-Standards